"Das ist das Ende", sagte er und schaute sie an. Kein Blinzeln in den Augen, nur dunkle Pupillen, die sie anstarren. Nach Halt suchend, testend vielleicht auch: Kann sie sein Leid mittragen? Das, was er nun erzählen wird? "Ich glaube, das ist unser Ende." Wo hört Liebe auf, wo ist der Grad überschritten, an dem Streit zu viel wird und eine Trennung der bessere Weg ist.
Sie nimmt seine Hand, hält sie fest, kühl wie sie ist. Hofft auf mehr Worte, die dann auch zu sprudeln beginnen. Wie alles angefangen hat, wie es jetzt ist, wie er sich fühlt. Er ist befremdet von diesen neuen Gefühlen. Warum er nicht bei ihr sein will, bei dem Menschen, den er mal geliebt hast. "Wenn sie morgen nach S. geht, ist mir das egal. Ich muss das akzeptieren", sagt er und schaut sie an. "Ist das normal?" fragt er. "Dass wir einander so gleichgültig geworden sind, so viel Hass empfinden", denn ja, Hass nennt er es. Er will weglaufen, sich von ihr entfernen.
"Ich frage mich, wie wir zu diesem Ort gekommen sind" tönt es ihr in den Ohren, als sie bewegt nach Hause fährt. Und weiß doch keinen Rat.
Manchmal verstehen die Menschen die Welt nicht mehr, und alles liegt in Scherben, die ganze Welt ist kaputt, zerfallen in Staub, das Konstrukt, das man aufrechtzuerhalten versucht hat, ist gescheitert, und man steht plötzlich allein da, einsam in Zweisamkeit, die plötzlich beängstigend und bedrückend wirkt. Der Ausweg ist die Flucht auf ein herrenloses Sofa weit weg von zuhause, doch wie geht es weiter? Was tun, wenn die Orientierungslosigkeit den Menschen umhüllt, er nach Lebenszeichen des anderen hechtet, die aber nicht kommen, wenn das Schweigen tiefe Wunden schneidet.
Manchmal gibt das Leben harte Prüfungen auf, die einen überfordern und ratlos dasitzen lassen. Man verliert alles. Wo ist dann Halt? Was hält die Hoffnung aufrecht, wenn man nicht an Gott glaubt, sondern an den Menschen, und der Mensch, den man vielleicht am meisten liebt, plötzlich nicht mehr da ist? Wenn es einen Gott gibt, möge er diese suchenden Menschen segnen und tragen, wo sie in Not sind.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen