Manchmal überfällt sie mich, diese Müdigkeit. Besonders, wenn ich lese. Ich spüre, wie alle Kraft aus meinen Gliedern weicht, wie mein Kopf plötzlich für eine Schrecksekunde nach unten fällt, wie ich rasch wieder wach werde, bloß um erneut gegen die Schwere anzukämpfen, die meinen Körper erfüllt. Wie menschlich ist es doch, dass wir rasten müssen. Und wie unnatürlich ist es doch angesichts dessen, dass wir versuchen, durchzuarbeiten, uns keine Pausen gönnen können und die Arbeitszeit sich unerträglich langsam ihrem Ende zu bewegt. Gefesselt an die institutionellen Vorgaben verkomme ich zuweilen am Schreibtisch, weil ich alles in meiner Macht stehende getan und meine Aufgaben so gut es geht vollendet habe. Welchen Sinn ergibt es also, mich weiterhin hier aufzuhalten? Müde sehe ich den Telefonapparat an und denke innerlich: Wüsste ich doch, dass kein Anruf mehr kommt, ich könnte mich wenigstens nach draußen zu den anderen Flüchtlingen setzen und mich mit ihnen unterhalten. Aber nein, die Pflicht hält mich hier. Ich kapituliere.
Betrachte das Buch in meinen Händen, ein Buch über Ethnologie. Hoffe, bange, ein weiteres Mal, dass es das richtige für mich ist, dieses Studium gewählt zu haben. Ich wehre mich gegen den Gedanken von "Urvölkern", sondern spreche von Menschen anderer Herkunft. Betrachte Menschen, die an meinem Fenster vorbeilaufen. Einen kleinen Jungen in einem leuchtend orangenen T-Shirt, einen Mann mit einer Plastiktüte voller Einkäufe. Sie sprechen ihre eigene Sprache, aber sie sind nicht "zivilisationsfremd" oder "naturvölklich". Translate
Mittwoch, 6. August 2014
Aus Müdigkeit entstanden.
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