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Mittwoch, 6. August 2014

Aus Müdigkeit entstanden.

Manchmal überfällt sie mich, diese Müdigkeit. Besonders, wenn ich lese. Ich spüre, wie alle Kraft aus meinen Gliedern weicht, wie mein Kopf plötzlich für eine Schrecksekunde nach unten fällt, wie ich rasch wieder wach werde, bloß um erneut gegen die Schwere anzukämpfen, die meinen Körper erfüllt. Wie menschlich ist es doch, dass wir rasten müssen. Und wie unnatürlich ist es doch  angesichts dessen, dass wir versuchen, durchzuarbeiten, uns keine Pausen gönnen können und die Arbeitszeit sich unerträglich langsam ihrem Ende zu bewegt. Gefesselt an die institutionellen Vorgaben verkomme ich zuweilen am Schreibtisch, weil ich alles in meiner Macht stehende getan und meine Aufgaben so gut es geht vollendet habe. Welchen Sinn ergibt es also, mich weiterhin hier aufzuhalten? Müde sehe ich den Telefonapparat an und denke innerlich: Wüsste ich doch, dass kein Anruf mehr kommt, ich könnte mich wenigstens nach draußen zu den anderen Flüchtlingen setzen und mich mit ihnen unterhalten. Aber nein, die Pflicht hält mich hier. Ich kapituliere.
Betrachte das Buch in meinen Händen, ein Buch über Ethnologie. Hoffe, bange, ein weiteres Mal, dass es das richtige für mich ist, dieses Studium gewählt zu haben. Ich wehre mich gegen den Gedanken von "Urvölkern", sondern spreche von Menschen anderer Herkunft. Betrachte Menschen, die an meinem Fenster vorbeilaufen. Einen kleinen Jungen in einem leuchtend orangenen T-Shirt, einen Mann mit einer Plastiktüte voller Einkäufe. Sie sprechen ihre eigene Sprache, aber sie sind nicht "zivilisationsfremd" oder "naturvölklich".
Der Mensch hat doch gerade die Eigenschaft, sich seiner Umgebung anpassen zu können, zumindest ein Stück weit! Gehe ich nach Uganda, so passe ich mich beispielsweise nach wenigen Tagen dem Schritttempo meiner Freunde an, welches deutlich langsamer ist. Ich versuche mich an anderem Essen, erfreue mich dennoch aber auch der Spuren von Nahrung aus meinem eigenen Land. Was ist Normalität? Sie ist doch wohl kulturell mitgeprägt. Gerade deswegen lässt sie sich auch leicht verändern, wenn wir reisen. Warum fällt es uns so schwer, aus einer sehr verschiedenen Kultur nach einiger Zeit in unsere Herkunftskultur zurückzukehren? Weil wir dann eine andere Normalität gewöhnt sind, könnte eine Interpretation lauten. Das bedeutet nicht, dass wir nie wieder "ankommen". Aber es braucht seine Zeit. Und es braucht die Trauer. die wir um den Verlust empfinden. Den Verlust der anderen Heimat. Der Gerüche, der Geräusche, des Geschmacks, der Gesichter, der Natur.

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