Ein Versuch. Es ist einen Versuch wert. Jeden Tag festhalten wollen, was der Moment ist. Wie beende ich den Tag, worauf schaue ich zurück?
Heute. Auf Menschen, die ihr Verhalten ändern und eine Wende machen. Die plötzlich mitarbeiten, wo sie vorher allein gesessen und vor sich hin geschaut hatten, wo sie vorher die Wände eines Gefängnisses angestarrt hatten. Menschen, die zuerst nur ihr eigenes Ding tun wollen. Und wo sich plötzlich ein Schalter umlegt, und sie fieberhaft nach neuer, sinnvoller Aktivität suchen. Wo das Fieber sie ergreift.
Auf eine Freundin, die ich das letzte Mal vor einem Jahr gesehen habe. Die mir spiegelt, wie sehr sie mich mag und wie sie mich wertschätzt und wie sehr ich ihr gefehlt habe und wie vertraut wir uns sind, nach all der Zeit. Die mir spiegelt, dass ich zu viel darüber nachdenke, wie es einem anderen mit oder wegen mir geht, anstatt davon auszugehen, wie es mir eigentlich geht, was ich eigentlich will, was ICH eigentlich WILL. Dass ich mehr reagiere und mich um Entscheidungen drücke und sie andere für mich fällen lasse, weil ich mich davor fürchte, meine Meinung kundzutun und damit auf Mauern zu stoßen. Wessen Leben lebe ich, deins oder meins? Wie viel habe ich gewonnen, wie viel habe ich verloren? Wo ist mein Ich-Gefühl, mein Wille, das Leben in die eigene Hand zu nehmen, mein Mut, nein zu sagen? Mut ist es nicht, aber Gefühle haben alles überschattet, haben mich viele Kompromisse eingehen lassen, wo andere die Bremse gezogen hätten. Ich liebe dich, immer noch, und du hast nie von mir gefordert, dass ich mich über die Maßen für dich ändere. Ich habe es trotzdem versucht, und bin gescheitert, so wie du es hast kommen sehen, auch wenn wir es beide nicht wahrhaben wollten. Ich liebe dich, immer noch. Sei dir dessen bewusst. Ich liebe dich und ich habe dich geliebt, trotzdem haben wir gemeinsam die Notbremse gezogen, als wir erkannten, dass du mir nicht auf diese Art vertrauen kannst, wie es eine Beziehung gebraucht hätte, und wir einander nicht genügen konnten, wie wir waren. Ich liebe dich, und ich werde dich lieben, trotz allem. Du bist in meinem Herzen.
Ich habe getanzt, habe mich frei getanzt, mit einer anderen Freundin, zu einer Tanzmeditation. Unwillkürlich legte ich meine Arme um mich, umarmte mich selbst. "Du sahst so glücklich aus, so liebevoll", sagte sie. Ich fange an, mich selbst wieder mehr zu lieben. Zurück zu erkennen, wer ich bin und was mich erfüllt. Auf andere Art, wenn deine warmen Arme nicht da sind. Ich liebe dich immer noch. Aber jetzt liebe ich mich mehr. Ich war ein Vogel, ich habe fliegen gelernt. Meine Arme die Flügel, beinahe hob ich ab.
Ich habe mich mit meiner Mitbewohnerin vor dem Fernseher gegruselt, ein Gruselfilm bei einem Glas Wein, nein, zwei. Sie schlief ein, ich lauschte ihrem Atem, irgendwann weckte ich sie. Wir gingen schlafen. Hier bin ich, und lege Zeugnis ab.
Translate
Freitag, 23. Februar 2018
Donnerstag, 1. Februar 2018
Schlaflos
Ich liege im Bett. Die Heizung rauscht laut in meinen Ohren. Ich winde mich und verdrehe meinen Körper vergeblich auf der Suche nach einer bequemen Position in meinem Bett, das viel zu groß für mich ist und mir doch keine Ruhe schenkt. Meine Beine schmerzen. Mein Hals ist eng. Draußen ein Auto. Sonst nur Stille. Es ist 2.00 Uhr nachts, ein neuer Arbeitstag droht mit einer Putzaktion gemeinsam mit Klienten. Der Frust ist vorprogrammiert. Ich schlucke.
Gedanken drehen sich im Kreis. Gedanken an dich, den ich verloren habe. Du fehlst mir gerade. Du hast mich immer geerdet, wenn alles gewankt hat um mich herum. Ich will dir schreiben. Schon bei dem Gedanken an dich kommen leise Tränen zurück, ohne zu fließen. Wo bist du, mein Hslt?
In dieser Woche hab ich meinen Halt verloren. Ich war von mir selbst überrascht. Zuerst eine Migräne, wie ich sie nie zuvor gespürt hatte. Sie haben mich von der Arbeit nach Hause geschickt. Zwei Tage später kehrte ich zurück. Dann die heftige Konfrontation einer Kollegin und eine handfeste Kontroverse. Ich sah mich in der Defensive für andere Kollegen einspringen. Ich ging aus dem Streit und war kraftlos. Ich war laut geworden, was ich selten tat. Ich schlief nicht in dieser Nacht. Ich grübelte. Am nächsten Tag, suchte ich das Gespräch mit meinem Chef. Ich weiß, dass ich mich auf ihn verlassen kann. Ich wusste, es ist ein Hilfeschrei, und dasss ich nicht mehr kann. Er war schockiert, erklärte, es sei meine Aufgabe, ihn zu warnen, wenn ich an meine Grenzen kam. Ich hatte das erst jetzt gemerkt, nach einem halben Jahr. Ich habe Kraft verloren. Aber ich will es doch nur gut machen. Heute dann erneut: klärende Gespräche, Versöhnung, dann aber eine weitere Kollegin und dieselbe Konfrontation erneut. Ich war wütend. Ich würde laut. Ich schrie. Ich schrie sie an und schrie meine Wut hinaus, mein Unverständnis, mein Gefühl, hier für alles und jeden zuständig sein zu müssen, meine Wut, meinen Frust. Ich verlor die Geduld. Die Geduld, die ich sechs Monste lang angespart hatte. Ich lies los. Es war mir egal. Fast egal. Ich lies sie nicht ausreden. Auch ich war jetzt jemand, der nicht korrekt handelte. Aber ich schiss auf Korrekt sein. Ich wollte meine Grenzen aufzeigen. Ich fühle mich nicht schlecht nun. Aber schlafen kann ich nicht. Denn ich muss verarbeiten, was ich diese Woche alles neues an mir entdeckt habe. Es schockiert mich, es macht mir Angst. Und es befreit mich. Es zieht auch Aufmerkssmkeit auf mich, das weiß ich. Aber das ist mir recht. Ich will lernen, für mich einzustehen und Nein zu sagen. Ich bin lange genug in dieser Arbeit, damit ich das nun darf. Eine Wende hat begonnen und mit ihr das Erkennen: ich kann es nicht allen recht machen.Sonst zerstöre ich mich selbst. Sonst lasse ich mich erdrücken, bis ich explodiere. Ich will leben für mich. Und dann für andere!!!!
Gedanken drehen sich im Kreis. Gedanken an dich, den ich verloren habe. Du fehlst mir gerade. Du hast mich immer geerdet, wenn alles gewankt hat um mich herum. Ich will dir schreiben. Schon bei dem Gedanken an dich kommen leise Tränen zurück, ohne zu fließen. Wo bist du, mein Hslt?
In dieser Woche hab ich meinen Halt verloren. Ich war von mir selbst überrascht. Zuerst eine Migräne, wie ich sie nie zuvor gespürt hatte. Sie haben mich von der Arbeit nach Hause geschickt. Zwei Tage später kehrte ich zurück. Dann die heftige Konfrontation einer Kollegin und eine handfeste Kontroverse. Ich sah mich in der Defensive für andere Kollegen einspringen. Ich ging aus dem Streit und war kraftlos. Ich war laut geworden, was ich selten tat. Ich schlief nicht in dieser Nacht. Ich grübelte. Am nächsten Tag, suchte ich das Gespräch mit meinem Chef. Ich weiß, dass ich mich auf ihn verlassen kann. Ich wusste, es ist ein Hilfeschrei, und dasss ich nicht mehr kann. Er war schockiert, erklärte, es sei meine Aufgabe, ihn zu warnen, wenn ich an meine Grenzen kam. Ich hatte das erst jetzt gemerkt, nach einem halben Jahr. Ich habe Kraft verloren. Aber ich will es doch nur gut machen. Heute dann erneut: klärende Gespräche, Versöhnung, dann aber eine weitere Kollegin und dieselbe Konfrontation erneut. Ich war wütend. Ich würde laut. Ich schrie. Ich schrie sie an und schrie meine Wut hinaus, mein Unverständnis, mein Gefühl, hier für alles und jeden zuständig sein zu müssen, meine Wut, meinen Frust. Ich verlor die Geduld. Die Geduld, die ich sechs Monste lang angespart hatte. Ich lies los. Es war mir egal. Fast egal. Ich lies sie nicht ausreden. Auch ich war jetzt jemand, der nicht korrekt handelte. Aber ich schiss auf Korrekt sein. Ich wollte meine Grenzen aufzeigen. Ich fühle mich nicht schlecht nun. Aber schlafen kann ich nicht. Denn ich muss verarbeiten, was ich diese Woche alles neues an mir entdeckt habe. Es schockiert mich, es macht mir Angst. Und es befreit mich. Es zieht auch Aufmerkssmkeit auf mich, das weiß ich. Aber das ist mir recht. Ich will lernen, für mich einzustehen und Nein zu sagen. Ich bin lange genug in dieser Arbeit, damit ich das nun darf. Eine Wende hat begonnen und mit ihr das Erkennen: ich kann es nicht allen recht machen.Sonst zerstöre ich mich selbst. Sonst lasse ich mich erdrücken, bis ich explodiere. Ich will leben für mich. Und dann für andere!!!!
Donnerstag, 25. Mai 2017
Für dich
Liebe M. Ich schreibe dir, weil ich es nicht mehr aushalte, deine Sorge um mich. M., ich bin dir dankbar für so vieles, was du mir gegeben hast. Du sagst, tu dir was Gutes. Du sagst, du kannst wirklich stolz auf das sein, was du bis jetzt erreicht hast. Du sagst, du hast so viele Stärken. Du sagst, du verstehst das falsch, Schatz. Die müssen froh sein, wenn du bei ihnen arbeitest, du musst dich nicht verkaufen. Du sagst, du bist klug, meine Große, aber naiv bist du auch. Du sagst, mach doch mal hier, wieder ein bisschen Musik? Oder dort, da gibt es ein afrikanisches Musikfestival, mach doch mal das? Ich denke, Mama, du gibst mir viel, so viel auf den Weg. Aber das hier, ist zu viel. Mama, bitte, hör auf damit, mir das Gefühl zu vermitteln, unkreativ mit meinem Leben umzugehen. Mama, ich brauche niemanden, der mir sagt, was ich tun soll. Mama, hör auf, mich immer noch entwickeln zu wollen. Ich bin 27, es ist mein Leben, es ist meine Beziehung, bitte hör auf, sie für mich und an meiner Stelle hinterfragen zu wollen. Bitte hör auf, mir Fragen zu stellen, auf die ich keine Antwort habe. Denn warum man sich verliebt, das kann man nicht rational erklären, genauso wenig kann man sagen, was man gemeinsam hat, und dann überrascht feststellen, dass es so wenig ist. Mama, meine Liebe lässt sich nicht rational erklären. Mama, ich weiß, du wünschtest, ich hätte es leichter. Aber ich bin hier, es ist jetzt mein Leben, bitte lass es mich so gestalten, wie ich will. Hör auf, das Beste für mich zu wollen. Ich weiß, was mir gut tut. Ich bin gerade nicht die Abenteurerin, die du dir wünschst, und ich bin auch keine Vollblutmusikerin, die sich nur in Musik frei machen kann. Ich mag Sport, und ich liebe Serien, ich mag es, mit meinem Freund zu sein, auch wenn unsere Ausflüge sich auf Pizza und 3 km Fahrradtour beschränken. Ich mag es, weil ich mit ihm bin. Bitte hör auf, mir einzureden, dass mich das nicht glücklich macht. Mama, ich schäme mich, wenn du mir vorschlägst, was ich unternehmen könnte. Ich schäme mich, weil es auch mein Bruder mitlesen kann, im Familienchat. Und es macht mich wütend und traurig zugleich, dass du mir so wenig zutraust. Mama, es verletzt mich, ich weiß nicht, ob du das verstehst. Es verletzt mich, weil du mir durch die Blume sagen willst, dass du nicht zufrieden bist mit dem, was du in mir siehst. Eine Frau, die sich nicht so entschieden hat, wie du dich entscheiden würdest. Ich genüge wohl deinen Ansprüchen einer sich selbst frei entfaltenden Frau nicht. Mama, hör zu. Es geht mir gut. Ich bin zufrieden. Was mich traurig macht, ist, wenn man mir das Gefühl gibt, enttäuscht von mir zu sein. Ja, ich nehme eine ähnliche Stelle an wie zuvor. Warum? Ich will nicht Schichten schieben wie mein Freund, sodass wir uns noch weniger sehen als sowieso schon. Ja, Mama, für mich hat das Priorität genauso wie, dass ich hier bleiben möchte. Mama, ich hab mich für die Liebe entschieden. Und nein, ich weiß nicht, wohin mich diese Beziehung führt. Ich weiß sehr genau, dass es nicht leicht ist, aber er ist meine Liebe und ich will nicht ohne ihn. Mama, auch wenn es dir nicht passt, weil scheinbar alles zwischen uns beiden nicht passt, ich will es. Mama, es geht mir gut, solange du nur aufhörst, Druck auf mich auszuüben, als wäre ich die kleine Tochter, die nicht wüsste, was gut für sie ist. Mama, ich brauche die Sicherheit dieser Beziehung, und ich brauche die Sicherheit einer vertrauten Arbeit. Mama, lass mich los, Lass deine Erwartungen los an Familie, Heirat, Enkelkinder, das wird so schnell nicht passieren. Lass, mich, los! Bitte. Ich liebe dich. Lass mich gehen.
Freitag, 2. September 2016
Endstation Kosovo
Sie sitzen im Hof, um eines der Spielgeräte herum. Vor ihnen liegen große Zeichenblockblätter. Die größte malt einen Schmetterling in leuchtenden Farben, er bedeckt das ganze Blatt. Ihre kleinen Geschwister versuchen, es ihr nachzutun. "Guck mal, was macht er denn da?", fragt sie mich, und zeigt auf ihren Bruder. Er hat große blaue Punkte auf das Spielgerät gemalt. "Ich war hier..." Geht es mir durch den Kopf, während ich seiner großen Schwester ein Blatt stehle und es ihm unter die kleine Hand lege. "Schön sieht das aus", sage ich geistesabwesend, während ich in Gedanken schon beim nächsten Schritt bin. Die nächsten Worte kommen langsam und in einfacher Sprache. Der Flug geht... Diese Woche... Tickets abholen... Sozialamt... "Was, nicht in drei Wochen?" Wie das Sozialamt zunächst als Frist angegeben hatte. Frist bleibt Frist, davor ist alles möglich, verstehe ich..."Nee. Diese Woche." Ihre Augen werden kurz groß vor Erstaunen. Sie bleibt ernst. Ihre Geschwister reagieren kaum. Ob sie das ihrem Papa genauso sagen wird? Und der Mama? Ja, wird sie.
Ich verabschiede mich. Wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja wieder. Ein wenig spöttisch fragt sie, wieso ich das denn gesagt habe. Vielleicht bekomme ihr Vater ein Arbeitsvisum, das könne man ja nicht wissen. Ich schlucke, weil ich merke, dass sie mir nicht glaubt und ich mir selbst auch nicht.
Auf dem Weg zurück ins Haus kommt mir die Mutter entgegen. Sie ist zurück aus der Stadt. Ich hole nochmal Luft, um die Worte zu wiederholen. Sie ruft ihre Größte zu sich, zum Übersetzen. Sie hat ein ruhiges schönes Lächeln, ein junges Gesucht, blonde halblange Haare, trägt Lippenstift in Pink. Ich erkläre ihr erneut alles, das Mädchen hilft mit. Ich umarme sie, sie küsst mich auf die Wangen und wir halten uns einen Moment lang fest. Als wir voneinander zurückweichen, hält sie meine Hände. Ich drücke sie. Es wird alles gut, flüstere ich. Es wird alles gut. Es wird alles gut. Ich denke an ihren großen lieben Mann, der Depressionen hat und sich so leicht aufregt. Kurz schießt mir durch den Kopf, ob er sich nun etwas antun könnte. 6 Tage, um einen Haushalt aufzulösen, in dem drei Jahre Lebenszeit stecken. 6 Tage, um sich von Freunden und Klassenkameraden zu verabschieden. Ich frage mich, ob sie denselben Gedanken hat. Ich sehe Tränen in ihren Augen. Sie lächelt immer noch, bedankt sich. Ich lächele zurück.
Ich weiß nicht mehr, was danach passiert ist. Ich finde mich im Büro wieder und fluche. Die Gesetze haben ein weiteres Mal das Leben einer Familie in Deutschland beendet.
Ich verabschiede mich. Wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja wieder. Ein wenig spöttisch fragt sie, wieso ich das denn gesagt habe. Vielleicht bekomme ihr Vater ein Arbeitsvisum, das könne man ja nicht wissen. Ich schlucke, weil ich merke, dass sie mir nicht glaubt und ich mir selbst auch nicht.
Auf dem Weg zurück ins Haus kommt mir die Mutter entgegen. Sie ist zurück aus der Stadt. Ich hole nochmal Luft, um die Worte zu wiederholen. Sie ruft ihre Größte zu sich, zum Übersetzen. Sie hat ein ruhiges schönes Lächeln, ein junges Gesucht, blonde halblange Haare, trägt Lippenstift in Pink. Ich erkläre ihr erneut alles, das Mädchen hilft mit. Ich umarme sie, sie küsst mich auf die Wangen und wir halten uns einen Moment lang fest. Als wir voneinander zurückweichen, hält sie meine Hände. Ich drücke sie. Es wird alles gut, flüstere ich. Es wird alles gut. Es wird alles gut. Ich denke an ihren großen lieben Mann, der Depressionen hat und sich so leicht aufregt. Kurz schießt mir durch den Kopf, ob er sich nun etwas antun könnte. 6 Tage, um einen Haushalt aufzulösen, in dem drei Jahre Lebenszeit stecken. 6 Tage, um sich von Freunden und Klassenkameraden zu verabschieden. Ich frage mich, ob sie denselben Gedanken hat. Ich sehe Tränen in ihren Augen. Sie lächelt immer noch, bedankt sich. Ich lächele zurück.
Ich weiß nicht mehr, was danach passiert ist. Ich finde mich im Büro wieder und fluche. Die Gesetze haben ein weiteres Mal das Leben einer Familie in Deutschland beendet.
Donnerstag, 28. Juli 2016
Voice within
Können wir keine
Anarchisten sein, weil wir das Gesetz nicht genug lieben? Ja, oder
man könnte auch sagen: Wir können keine Anarchisten sein, weil wir
zu wenig das Gesetz achten, das in uns verankert ist. Wenn also alle
Menschen sich auf ihren Verstand und ihren Gerechtigkeitssinn
verlassen würden, wenn sie dafür also mehr in sich hinein lauschen
und ihrer inneren Stimme – Gott? - ihr Gehör schenken würden...
wenn sie mehr reflektierten... dann bräuchten wir niemanden, der mit
Macht Gesetze, festgeschriebene Gesetze durch Strafen durchdrücken
würde. Was aber bringt uns davon ab, auf diese Stimme zu horchen?
Der Verlust des Glaubens an Gott... das Wachsen von Gier und Lust auf
Unterhaltung... die Flucht vor sich selbst, hin in eine Welt der
Ablenkung. Nicht umsonst sagen viele: ich hasse es, alleine zu sein.
Dann kommen die bösen Geister wieder, ich mache mir Sorgen, meine
Ängste stürzen auf mich ein, Selbstzweifel befallen mich. Wir
fliehen vor uns selbst, weil wir Angst haben vor einer Konfrontation
mit unseren Gefühlen, vielleicht auch vor der inneren Stimme, die
uns unsere Schuld und unser Versagen in vergangenen Situationen
zutage bringt: wie konntest du mit vollen Taschen an diesem Bettler
vorbeispazieren, ohne ihm etwas abzugeben oder etwas Geld
zuzustecken? Warum hast du nicht die Türe aufgehalten für diesen
Menschen, der es so eilig hatte, in die Bahn zu springen? Warum hast
du nicht ehrlich gesagt: Ich werde nicht mehr telefonieren, wir haben
uns doch soeben alles erzählt, und ich habe Angst vor der Stille,
die entsteht, wenn wir uns nichts mehr zu sagen haben. Lass gut sein,
in einem Monat wird wieder etwas passiert sein, worüber man sich
berichten kann.
Die innere Stimme, wann höre
ich sie?
Mittwoch, 27. Juli 2016
Sichtbar werden
Ich solle herausfinden, wer ich wirklich bin. Ich solle mich aus meinem Versteck heraus bewegen. Ich solle mich nicht mehr ständig für Dinge entschuldigen. Woher das denn überhaupt komme, fragt sie mich. Ich weiche Konfrontation aus, rate ich. Ich will dem anderen den Wind aus den Segeln nehmen, bevor er auf mich losgehen kann. Und ich höre selbst, wie seltsam das klingt. Woher kommt dieser Gedanke, dass Dinge, die ich sage, falsch sein könnten? Ich weiß nicht, ob es mir hilft, die Ursachen dafür zu suchen: Situationen in der Kindheit, "Schuldige". Es bewegt mich ja doch nicht voran. Was ich brauche, ist Mut und ein Bewusstsein für mich selbst. Ich muss mir meiner Gedanken bewusst werden und meiner Taten. Man hat gesagt, das ist die Königsregel der Selbsterkenntnis: jeden Tag aufzuschreiben, was man getan, was man gefühlt hat. Ich stoße am Ende des Tages noch mal mit mir zusammen. Ich merke, ich bin 26 Jahre alt. Und dennoch, ich bin noch nicht in mir angekommen. Dabei gibt es schon längst Konturen, die mich ausmachen. Das äußere ist definierter denn zuvor, das Innere ist ein Chaos, kaum beachtet, kaum geordnet.
"Sie weiß nicht, was sie will", sagen sie über mich und meine Beziehungen. Vielleicht ist wirklich etwas dran, und ich habe schlicht zu selten Stellung bezogen, aus Sorge vielleicht, den anderen dadurch ein Stück oder ganz zu verlieren, weil ich uneinig bin mit ihm, in einem Punkt. Stattdessen haben sich Launen untergründig und ungeordnet entladen, ließen den anderen verwirrt, verzweifelt zurück. Ich hatte nicht über mich nachgedacht, habe viel unterdrückt, was dann ungebremst irgendwann heraus kam, den anderen überraschend. Es sind Verhaltensmuster, die ich immer noch ändern kann und möchte. Dafür muss ich aber bei mir selbst anfangen, und den Mut haben, mich meiner eigenen inneren Stimme zu stellen, und Position zu beziehen, auch nach außen hin. Ich will meine Konturen schärfen, für mich und für andere. Mich aus dem schälen, was nur Tarnung ist, mich aus der Haut streifen wie Tiere, die darunter eine neue gebildet haben. Aus dem Kokon erwachen.
"Sie weiß nicht, was sie will", sagen sie über mich und meine Beziehungen. Vielleicht ist wirklich etwas dran, und ich habe schlicht zu selten Stellung bezogen, aus Sorge vielleicht, den anderen dadurch ein Stück oder ganz zu verlieren, weil ich uneinig bin mit ihm, in einem Punkt. Stattdessen haben sich Launen untergründig und ungeordnet entladen, ließen den anderen verwirrt, verzweifelt zurück. Ich hatte nicht über mich nachgedacht, habe viel unterdrückt, was dann ungebremst irgendwann heraus kam, den anderen überraschend. Es sind Verhaltensmuster, die ich immer noch ändern kann und möchte. Dafür muss ich aber bei mir selbst anfangen, und den Mut haben, mich meiner eigenen inneren Stimme zu stellen, und Position zu beziehen, auch nach außen hin. Ich will meine Konturen schärfen, für mich und für andere. Mich aus dem schälen, was nur Tarnung ist, mich aus der Haut streifen wie Tiere, die darunter eine neue gebildet haben. Aus dem Kokon erwachen.
Abonnieren
Posts (Atom)