Ich liege im Bett. Die Heizung rauscht laut in meinen Ohren. Ich winde mich und verdrehe meinen Körper vergeblich auf der Suche nach einer bequemen Position in meinem Bett, das viel zu groß für mich ist und mir doch keine Ruhe schenkt. Meine Beine schmerzen. Mein Hals ist eng. Draußen ein Auto. Sonst nur Stille. Es ist 2.00 Uhr nachts, ein neuer Arbeitstag droht mit einer Putzaktion gemeinsam mit Klienten. Der Frust ist vorprogrammiert. Ich schlucke.
Gedanken drehen sich im Kreis. Gedanken an dich, den ich verloren habe. Du fehlst mir gerade. Du hast mich immer geerdet, wenn alles gewankt hat um mich herum. Ich will dir schreiben. Schon bei dem Gedanken an dich kommen leise Tränen zurück, ohne zu fließen. Wo bist du, mein Hslt?
In dieser Woche hab ich meinen Halt verloren. Ich war von mir selbst überrascht. Zuerst eine Migräne, wie ich sie nie zuvor gespürt hatte. Sie haben mich von der Arbeit nach Hause geschickt. Zwei Tage später kehrte ich zurück. Dann die heftige Konfrontation einer Kollegin und eine handfeste Kontroverse. Ich sah mich in der Defensive für andere Kollegen einspringen. Ich ging aus dem Streit und war kraftlos. Ich war laut geworden, was ich selten tat. Ich schlief nicht in dieser Nacht. Ich grübelte. Am nächsten Tag, suchte ich das Gespräch mit meinem Chef. Ich weiß, dass ich mich auf ihn verlassen kann. Ich wusste, es ist ein Hilfeschrei, und dasss ich nicht mehr kann. Er war schockiert, erklärte, es sei meine Aufgabe, ihn zu warnen, wenn ich an meine Grenzen kam. Ich hatte das erst jetzt gemerkt, nach einem halben Jahr. Ich habe Kraft verloren. Aber ich will es doch nur gut machen. Heute dann erneut: klärende Gespräche, Versöhnung, dann aber eine weitere Kollegin und dieselbe Konfrontation erneut. Ich war wütend. Ich würde laut. Ich schrie. Ich schrie sie an und schrie meine Wut hinaus, mein Unverständnis, mein Gefühl, hier für alles und jeden zuständig sein zu müssen, meine Wut, meinen Frust. Ich verlor die Geduld. Die Geduld, die ich sechs Monste lang angespart hatte. Ich lies los. Es war mir egal. Fast egal. Ich lies sie nicht ausreden. Auch ich war jetzt jemand, der nicht korrekt handelte. Aber ich schiss auf Korrekt sein. Ich wollte meine Grenzen aufzeigen. Ich fühle mich nicht schlecht nun. Aber schlafen kann ich nicht. Denn ich muss verarbeiten, was ich diese Woche alles neues an mir entdeckt habe. Es schockiert mich, es macht mir Angst. Und es befreit mich. Es zieht auch Aufmerkssmkeit auf mich, das weiß ich. Aber das ist mir recht. Ich will lernen, für mich einzustehen und Nein zu sagen. Ich bin lange genug in dieser Arbeit, damit ich das nun darf. Eine Wende hat begonnen und mit ihr das Erkennen: ich kann es nicht allen recht machen.Sonst zerstöre ich mich selbst. Sonst lasse ich mich erdrücken, bis ich explodiere. Ich will leben für mich. Und dann für andere!!!!
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