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Donnerstag, 25. Mai 2017

Für dich

Liebe M. Ich schreibe dir, weil ich es nicht mehr aushalte, deine Sorge um mich. M., ich bin dir dankbar für so vieles, was du mir gegeben hast. Du sagst, tu dir was Gutes. Du sagst, du kannst wirklich stolz auf das sein, was du bis jetzt erreicht hast. Du sagst, du hast so viele Stärken. Du sagst, du verstehst das falsch, Schatz. Die müssen froh sein, wenn du bei ihnen arbeitest, du musst dich nicht verkaufen. Du sagst, du bist klug, meine Große, aber naiv bist du auch. Du sagst, mach doch mal hier, wieder ein bisschen Musik? Oder dort, da gibt es ein afrikanisches Musikfestival, mach doch mal das? Ich denke, Mama, du gibst mir viel, so viel auf den Weg. Aber das hier, ist zu viel. Mama, bitte, hör auf damit, mir das Gefühl zu vermitteln, unkreativ mit meinem Leben umzugehen. Mama, ich brauche niemanden, der mir sagt, was ich tun soll. Mama, hör auf, mich immer noch entwickeln zu wollen. Ich bin 27, es ist mein Leben, es ist meine Beziehung, bitte hör auf, sie für mich und an meiner Stelle hinterfragen zu wollen. Bitte hör auf, mir Fragen zu stellen, auf die ich keine Antwort habe. Denn warum man sich verliebt, das kann man nicht rational erklären, genauso wenig kann man sagen, was man gemeinsam hat, und dann überrascht feststellen, dass es so wenig ist. Mama, meine Liebe lässt sich nicht rational erklären. Mama, ich weiß, du wünschtest, ich hätte es leichter. Aber ich bin hier, es ist jetzt mein Leben, bitte lass es mich so gestalten, wie ich will. Hör auf, das Beste für mich zu wollen. Ich weiß, was mir gut tut. Ich bin gerade nicht die Abenteurerin, die du dir wünschst, und ich bin auch keine Vollblutmusikerin, die sich nur in Musik frei machen kann. Ich mag Sport, und ich liebe Serien, ich mag es, mit meinem Freund zu sein, auch wenn unsere Ausflüge sich auf Pizza und 3 km Fahrradtour beschränken. Ich mag es, weil ich mit ihm bin. Bitte hör auf, mir einzureden, dass mich das nicht glücklich macht. Mama, ich schäme mich, wenn du mir vorschlägst, was ich unternehmen könnte. Ich schäme mich, weil es auch mein Bruder mitlesen kann, im Familienchat. Und es macht mich wütend und traurig zugleich, dass du mir so wenig zutraust. Mama, es verletzt mich, ich weiß nicht, ob du das verstehst. Es verletzt mich, weil du mir durch die Blume sagen willst, dass du nicht zufrieden bist mit dem, was du in mir siehst. Eine Frau, die sich nicht so entschieden hat, wie du dich entscheiden würdest. Ich genüge wohl deinen Ansprüchen einer sich selbst frei entfaltenden Frau nicht. Mama, hör zu. Es geht mir gut. Ich bin zufrieden. Was mich traurig macht, ist, wenn man mir das Gefühl gibt, enttäuscht von mir zu sein. Ja, ich nehme eine ähnliche Stelle an wie zuvor. Warum? Ich will nicht Schichten schieben wie mein Freund, sodass wir uns noch weniger sehen als sowieso schon. Ja, Mama, für mich hat das Priorität genauso wie, dass ich hier bleiben möchte. Mama, ich hab mich für die Liebe entschieden. Und nein, ich weiß nicht, wohin mich diese Beziehung führt. Ich weiß sehr genau, dass es nicht leicht ist, aber er ist meine Liebe und ich will nicht ohne ihn. Mama, auch wenn es dir nicht passt, weil scheinbar alles zwischen uns beiden nicht passt, ich will es. Mama, es geht mir gut, solange du nur aufhörst, Druck auf mich auszuüben, als wäre ich die kleine Tochter, die nicht wüsste, was gut für sie ist. Mama, ich brauche die Sicherheit dieser Beziehung, und ich brauche die Sicherheit einer vertrauten Arbeit. Mama, lass mich los, Lass deine Erwartungen los an Familie, Heirat, Enkelkinder, das wird so schnell nicht passieren. Lass, mich, los! Bitte. Ich liebe dich. Lass mich gehen.

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