Translate

Mittwoch, 16. September 2015

Und plötzlich sind es nur noch 11 Tage.

Und plötzlich sind es nur noch 11 Tage. Ich erstarre beim Blick auf das heutige Datum. Zahlen drehen sich in meinem Kopf, berechnen einen Countdown. Ist es das wert, auf FB gepostet zu werden? Nein, ich will mich nicht mit den Kommentaren befassen, die darauf folgen könnten. Du bist neidisch? Du willst mit? Wirklich? Vier Monate, überleg dir das noch mal. Mir zieht es innerlich alles zusammen, denn ich habe Angst. Angst, dass ich scheitern könnte an diesem Projekt. Verrückt, die ganze Zeit ist man sicher, das richtige zu tun. Und plötzlich: Vielleicht ist die Zielgruppe zu klein. Vielleicht wollen sie mir nicht sagen, was ich hören will. Ich ertappe mich selbst. Forschung dient nicht zur Bestätigung der eigenen Annahmen, sondern soll deduktiv erfolgen. Ja, natürlich. In der Theorie ist das alles so klar. Aber wo beginnen? Was tun, wenn sich keine neuen Erkenntnisse ergeben? Was, wenn die Menschen gar nicht erst meine Fragen beantworten wollen. Viele Fragen rasen mir durch den Kopf. Zweifel kommen zurück. Die Rahmenbedingungen sind geklärt. Aber was helfen sie mir, wenn das eigentliche Ziel nicht erreicht wird? Wieder einmal versuche ich mich auf das große Unbekannte zu verlassen und Last abzugeben. Manche nennen es Gott, manche Schicksal, manche Zufall, manche Mensch. Alles wird gut. Alles wird gut. Alles wird gut.
Und dann die Angst vor dem Abschied. Es ist nicht das erste Mal. Bereits vor 6 Jahren habe ich Ähnliches geschafft, habe eine Abschiedsfeier gegeben und auf Wiedersehen gesagt. Damals war es für ein Jahr. Aber ich habe damals nichts begriffen. Ich war naiv und fast schon kühl. Wollte alles einreißen, neu irgendwo beginnen, hatte Lust und wollte weg.
Heute sind nur wenige Freunde geblieben von damals. Ich kann sie an einer Hand abzählen. Aber was ich erlebt habe, ist, viele neue Freunde gesammelt zu haben. Ich habe Vertrauen zu ihnen aufgebaut und sie in mein Inneres sehen lassen. Ich habe sie in mein Herz gelassen und da sind sie jetzt, und es fällt viel, viel schwerer als damals, zu gehen und sie zu verabschieden. Ich habe Sorge, dass mir etwas passieren könnte. Dabei weiß ich, dass das ihnen genauso zustoßen könnte. Dennoch, ich denke fieberhaft an verschlammte Lehmstraßen, Schlaglöcher, rasende entgegen kommende Taxis, Regenschauer, Dunkelheit und Diebe, Busch und verborgene Schlangen. Mein Herz schlägt höher. Bisher ist dir nichts passiert und wenn, dann bist du aus allem gut herausgekommen, du hast einen Dieb abgehängt und entlarvt, du hast die kleine schwarze Schlange zu deinen Füßen rechtzeitig bemerkt und andere haben sie mit Steinen getötet. Du hast knapp vor nachrückenden Taxis gehalten, und einmal bist du sogar mit dem Motorrad gekippt, aber bis auf einen blauen Fleck war alles in Ordnung. Ich sehe Gefahren und entweiche ihnen, egal wie knapp. Warum sollte es jetzt anders sein. Trotzdem legen sich Sorgen und Ängste in mich hinein. Je mehr Menschen es gibt, die du liebst, desto ängstlicher bist du, sie zu verlieren. Ich bin umgeben von wertvollen Menschen und kann mir nicht vorstellen, ohne sie zu sein. Klar, für eine Zeit lang. Aber nicht für immer.
Ich nehme tief Luft und bete. Ich bete fast nie. Aber die Angst löst sich, ein bisschen. Ich sehe aus dem Fenster und stehe dann auf. Es geht weiter. Es geht alles weiter.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen