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Donnerstag, 26. September 2013

Totalausfall des Internet, seit drei Tagen nun schon, ein Ende ist vorläufig nicht abzusehen. Was nun? Was tun? Ratlos sitzen wir auf dem Sofa, starren mit leeren Blicken unsere vollen Teller an, suchen nach Inspiration, die Mattscheibe fasziniert schon lange nicht mehr durch gehaltvolles Programm. Was bleibt? Um zu vermeiden, dass jeder für sich in seinen eigenen vier Wänden der Einsamkeit die Tür öffnet, fangen wir zögerlich an, uns zu unterhalten. Die daraus entstehende Gemeinschaft und der rege Austausch wird abendfüllend sein. Ein jeder bringt, nach und nach, Snacks und Getränke herbei, der kleine Tisch füllt sich wie im Märchen "Tischlein, deck dich!", der Raum mit Lachen und bunten Akzenten. Meine Mitbewohnerin fragt mich, ob ich ihr das Häkeln beibringen möchte. Darauf habe sie mich schon länger mal ansprechen wollen. Ein Schal wird begonnen, Fortsetzung folgt. Wie füllt man eine Zeit, die vormals durch Facebook und Co. "gefüllt" schien und nun ein großes Loch in unser Bewusstsein reißt? Nun, wenn der Kontakt nicht mehr über Netzwerke geführt werden kann, so bleibt doch ganz klar - die Realität! Wie viel erfüllter gehe ich aus diesen Abenden heraus, an denen man sich im Schein der Wohnzimmerstehlampe Geschichten erzählt, über Politik diskutiert, sich gegenseitig Handfertigkeiten lehrt und gemeinsam über die ersten kläglichen Versuche lacht, einen Schal zu stricken, wie viel mehr springt für alle heraus, wenn wir gemeinsam Herbstplätzchen backen, Gitarre spielen, Lieder singen, unser Essen teilen, uns das Gefühl geben, füreinander da zu sein? Wo die Zeit nur dank guter Gespräche und eines lebendigen Zusammenseins so schnell verstreicht und den Himmel dunkel malt, da habe ich das Gefühl, nichts verpasst zu haben, sondern alles mitgenommen zu haben, was mir das Leben heute Abend bieten konnte. Berauschend ist das.

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