Ist es nicht widersprüchlich, diese Bewegung, die ein Mensch tut, sobald er merkt, dass er sich zu einem anderen Menschen hingezogen fühlt? Es scheint mir eine Atmosphäre zu sein, in der sich jede Bewegung verlangsamt, jede Berührung eine zu viel, zu verräterisch sein könnte. Die Sehnsucht, die in einem Menschen tobt, dem anderen nahe zu sein, sucht er verzweifelt zu unterdrücken, um sich bloß nichts anmerken zu lassen. Aus der Frage heraus: bin ich ihn wirklich wert? Aus dem Ausruf heraus: Bloß keine Fehler machen, jetzt bloß keine Schwäche zeigen, nichts riskieren, nicht den anderen verlieren.
Jeder Gedanke kreist um den anderen, verschlingt alles sonst noch Wesentliche, nimmt die Zeit ein, in der man nachts im Bett liegt, "Goist schaut" und auf den Schlaf wartet.
Der Wille, dass der andere einen wahrnimmt und findet, sich in einem findet, und zugleich der Wille, unsichtbar zu sein, um die eigene Unsicherheit in DEM Augenblick des Gesprächs nicht erkenntlich zu zeigen, beides Pole eines Gefühls der Nähe.
Nähe-Distanz. Das Gummiband-Gefühl. Schenkst du mir deine Zeit für zwei Minuten Gespräch, deine strahlenden Augen, dein zugewandtes Gesicht, so frage ich mich sofort, ob mich etwas verrät, und haste davon. Bin ich dir fern, so wünsche ich mir nichts sehnlicheres, als dir zu begegnen, deinen lachenden Mund zu sehen und deine ruhige Stimme zu vernehmen.
Fühl ich mich dir nah, bau ich mir 'ne Wand. Dahinter verstecke ich mein springendes Herz, meine leuchtenden Augen. Schaue zu Boden statt deinem Blick zu begegnen, suche ihn und gestatte ihn mir doch nicht. Du bist mir ein Rätsel, das ich erforschen will, du bist mir fast unbekannt und doch nimmst du mich so ein, wie machst du das? Ich will dir ein Rätsel sein, um nicht zu viel zu schnell zu offenbaren von meinen Gefühlen, von denen ich dir nicht zumuten will, dass sie dich überschwemmen und wegrennen lassen. Willst du auch mich erforschen?
Ich bitte dich, reiß meine Mauer ein und nimm mich an die Hand. Zieh mich an dich heran und schneid das Gummiband durch. Hebe mein Kinn an und fange meinen Blick. Mach mich sichtbar für dich. Nimm mir die Angst. Lass mich dir näher kommen.
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