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Montag, 30. September 2013

Der mittellose Reiche - oder die goldene Regel des Zusammenlebens

Zitat aus einem Brief vom Ökumenischen Kirchentag 2010. Gibt Anregung für ein gutes Leben, wie ich finde. Vor allem aber beinhaltet es die wohl ELEMENTARE Grundregel für ein Zusammenleben, von dem wir alle am meisten profitieren würden! Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem and'ren zu!!
"Reich. und glücklich werden, das ist ein gutes Lebensziel. Aber wie ist das nachhaltig möglich, so dass es Bestand hat für immer?
Leo Tolstoi weiß die Antwort. Er erzählt von einem reichen Menschen, der alles hatte und das im Überfluss. Einen Leibkoch, einen Bodyguard, viele Dienerinnen und ...Diener. Natürlich ein Schloss und andere Immobilien. Einen Fuhrpark mit Nobelkarossen. Er hatte sogar einen eigenen Leibarzt und deshalb vor nichts und gar nichts Angst. Außer ... vor dem Tod. Als es ans Sterben ging, befahl er seinem Lieblingsdiener: Leg mir von meinen hundert Säcken Gold den dicksten in den Sarg. Ich will nicht ohne Geld in den Himmel! Gesagt, getan. Als der Reiche im Himmel ankam, setzte er sich sogleich auf die nächste Wolke. Noch nie hatte er einen so schweren Sack getragen. Er war ganz außer Atem. Und er verspürte Hunger. Wie er sich so umsah, erblickte er auf der übernächsten Wolke eine Leuchtreklame: »Restaurant zu den sieben Engeln«. Als er näher kam, fühlte er sich in seinem Lebensentwurf auch im Himmel bestätigt. Unter der Reklame war ein kleines Schild angebracht: »Einheitspreis für jede Mahlzeit: eine Kopeke«! (Die Geschichte stammt ja aus Russland!) Ja, dachte er, da habe ich mit meinem Kapital für die Ewigkeit ausgesorgt! Das Restaurant ging mit der Zeit, es war ein Selbstbedienungsrestaurant. Der Reiche legte auf Teller und Tablett, was ihm zusagte. »Eine Kopeke bitte«, sagte der Engel an der Kasse. »Hier hast du zehn Kopeken«, sagte der reiche Mensch, »der Rest ist Trinkgeld, ich kann es mir ja leisten«. »Iswenitje«, sagte der Engel, »excuse me, pardon, Entschuldigung! Wusstest du denn nicht, dass man im Himmel nur mit dem bezahlen kann, was man auf der Erde verschenkt hat?!«

Sonntag, 29. September 2013

Entgegnen - begegnen - entgegnern. Den Fremden über Kommunikation vom Gegner zum Freund umwandeln in einer sich immerzu konkurrierenden und von Wettbewerb gekennzeichneten Gesellschaft. Zusammenwachsen durch Begegnung.

Fühl ich mich dir nah, bau ich mir 'ne Wand - oder: Über das Nähern

Ist es nicht widersprüchlich, diese Bewegung, die ein Mensch tut, sobald er merkt, dass er sich zu einem anderen Menschen hingezogen fühlt? Es scheint mir eine Atmosphäre zu sein, in der sich jede Bewegung verlangsamt, jede Berührung eine zu viel, zu verräterisch sein könnte. Die Sehnsucht, die in einem Menschen tobt, dem anderen nahe zu sein, sucht er verzweifelt zu unterdrücken, um sich bloß nichts anmerken zu lassen. Aus der Frage heraus: bin ich ihn wirklich wert? Aus dem Ausruf heraus: Bloß keine Fehler machen, jetzt bloß keine Schwäche zeigen, nichts riskieren, nicht den anderen verlieren.
Jeder Gedanke kreist um den anderen, verschlingt alles sonst noch Wesentliche, nimmt die Zeit ein, in der man nachts im Bett liegt, "Goist schaut" und auf den Schlaf wartet.
Der Wille, dass der andere einen wahrnimmt und findet, sich in einem findet, und zugleich der Wille, unsichtbar zu sein, um die eigene Unsicherheit in DEM Augenblick des Gesprächs nicht erkenntlich zu zeigen, beides Pole eines Gefühls der Nähe.
Nähe-Distanz. Das Gummiband-Gefühl. Schenkst du mir deine Zeit für zwei Minuten Gespräch, deine strahlenden Augen, dein zugewandtes Gesicht, so frage ich mich sofort, ob mich etwas verrät, und haste davon. Bin ich dir fern, so wünsche ich mir nichts sehnlicheres, als dir zu begegnen, deinen lachenden Mund zu sehen und deine ruhige Stimme zu vernehmen.
Fühl ich mich dir nah, bau ich mir 'ne Wand. Dahinter verstecke ich mein springendes Herz, meine leuchtenden Augen. Schaue zu Boden statt deinem Blick zu begegnen, suche ihn und gestatte ihn mir doch nicht. Du bist mir ein Rätsel, das ich erforschen will, du bist mir fast unbekannt und doch nimmst du mich so ein, wie machst du das? Ich will dir ein Rätsel sein, um nicht zu viel zu schnell zu offenbaren von meinen Gefühlen, von denen ich dir nicht zumuten will, dass sie dich überschwemmen und wegrennen lassen. Willst du auch mich erforschen?
Ich bitte dich, reiß meine Mauer ein und nimm mich an die Hand. Zieh mich an dich heran und schneid das Gummiband durch. Hebe mein Kinn an und fange meinen Blick. Mach mich sichtbar für dich. Nimm mir die Angst. Lass mich dir näher kommen.

Über die gemeinschaftliche Nutzung von Küchen. Oder: den Mut, Ehrlichkeit zu riskieren.

Das Teilen von Küchen mit 13 anderen Personen beinhaltet ein natürliches Konfliktpotential, gerade dann, wenn hier unterschiedliche (Reinlichkeits-)Kulturen aufeinandertreffen, die nicht mal unbedingt abhängig von der nationalen Herkunft Teil der Bewohner sind. Da gibt es a) den Sauberkeitsfanatiker. Er erwartet, dass die Küche zu allen Zeiten picobello sauber ist, Töpfe und dazugehörende Deckel ordentlich sortiert und gestapelt sind, Herdplatten frei von jeglichen Rückständen sind, das Innenleben des Backofen nicht einen Brotkrumen offenbart, der Müll keinerlei Geruch aussondern darf. Abgespültes, aber nicht weggeräumtes Geschirr betrachtet er als Schmutz, der das Küchenbild stört. Auch Wasserflecken sind schließlich Flecken. B) gibt es den weitaus toleranteren Normalspüler. Auch er legt einen gewissen Wert darauf, dass die Küche nicht im Siff versinkt, ist jedoch tolerant gegenüber Fettspritzern, stehengelassenem Geschirr - sofern es sauber ist -, stehengelassenem Geschirr - sofern Aussicht darauf besteht, dass es in Kürze bzw. bis zum nächsten Morgen beseitigt wird und nicht jegliche Möglichkeit verstellt, Arbeitsflächen zu benutzen -, leeren Flaschen vom Vorabend, Pizzakrumen neben dem Backofen, wild zusammengepresstem Papier in der Abfalltonne. Denn dies zeigt ihm, hier findet Leben statt, wir sind Studenten und keine Perfektionisten, es gibt wichtigeres im Leben, als sich über verschmutzte Küchen aufzuregen. Grenzwertig wird es für ihn erst dann, wenn c) der Chaot auf den Plan tritt. Dieser zeigt nach außen das Bild von jemandem, der sich seine eigenen Regeln aufstellt und dabei höchst wenig Rücksicht auf seine Mitbewohner nimmt. Er lässt alles stehen und liegen, versucht maximal oberflächlich Ordnung zu schaffen, indem er seine Gebrauchsgegenstände nicht wahllos in der Küche verteilt, sondern in einer dunklen Ecke stapelt. Er bedient sich der Lebensmittel seiner Mitbewohner, hinterlässt einen starken Essensgeruch in der Küche, sucht wenig Anschluss, macht einfach sein Ding. Für ein Gemeinschaftsleben, wie es ein Flurzusammenleben erfordert, ist er eigentlich nicht geeignet.
Wozu aber führt die Kollision dieser drei Typen? Dazu, dass es Konflikte gibt: der Sauberkeitsfanatiker zieht in Abwesenheit des Chaoten über denselben her, Verdächtigungen werden sofort kommuniziert und weiterverbreitet an alle, bis auf den betreffenden. Der Chaot wird vom Mensch zum Tier deklariert, Unverständnis, Ekel, Meiden folgen. Der Chaot bekommt von alledem nichts mit, weil was fehlt? Der Mut, Ehrlichkeit zu riskieren. Der Mut, ihn direkt auf seine Säumnisse anzusprechen. Nun frage ich: ist der Normalspüler ein Optimist, nur weil er die Sauberkeitsfanatiker (und deren Mitläufer, Gruppe d), die Gruppe der Ja-Sager)dazu ermuntert und auffordert, den Chaoten auf seine Fehler hinzuweisen? Wo liegt die Gemeinschaft und Integration, wenn er nur ein "Das haben wir ihm schon so oft gesagt" und "Ich glaube, das macht der eh nicht" entgegengeblafft wird? Wieviel kostet mich der Versuch, ihn trotzdem zu bitten? Käme ich mir nicht auch verarscht vor, wenn Leute mich lieber gar nicht erst fragen, weil sie sich meine Reaktion bereits fest vorstellen zu können glauben? Warum sind wir so unehrlich zueinander, wenn es um einen Konflikt geht, der eine Mauer zwischen uns aufbaut? Warum sind wir angstvoll, wenn es darum geht, etwas Schwieriges anzusprechen? Warum sind wir so gnadenlos, wenn wir uns einmal auf einen Stereotypen verfestigt haben?
Lasst uns frei werden und den Mut haben, unsere Mitmenschen anzusprechen und mit ihnen zu sprechen. Wirklich jeder geht daraus positiv hervor. Der Sauberkeitsfanatiker hat ein reines Gewissen und hoffentlich auch eine reine Küche, der Chaot hat für das Zusammenleben etwas dazugelernt und der Normalspüler hängt nicht länger zwischen zwei Stühlen.
HABE MUT, ANZUMERKEN!

Donnerstag, 26. September 2013

Totalausfall des Internet, seit drei Tagen nun schon, ein Ende ist vorläufig nicht abzusehen. Was nun? Was tun? Ratlos sitzen wir auf dem Sofa, starren mit leeren Blicken unsere vollen Teller an, suchen nach Inspiration, die Mattscheibe fasziniert schon lange nicht mehr durch gehaltvolles Programm. Was bleibt? Um zu vermeiden, dass jeder für sich in seinen eigenen vier Wänden der Einsamkeit die Tür öffnet, fangen wir zögerlich an, uns zu unterhalten. Die daraus entstehende Gemeinschaft und der rege Austausch wird abendfüllend sein. Ein jeder bringt, nach und nach, Snacks und Getränke herbei, der kleine Tisch füllt sich wie im Märchen "Tischlein, deck dich!", der Raum mit Lachen und bunten Akzenten. Meine Mitbewohnerin fragt mich, ob ich ihr das Häkeln beibringen möchte. Darauf habe sie mich schon länger mal ansprechen wollen. Ein Schal wird begonnen, Fortsetzung folgt. Wie füllt man eine Zeit, die vormals durch Facebook und Co. "gefüllt" schien und nun ein großes Loch in unser Bewusstsein reißt? Nun, wenn der Kontakt nicht mehr über Netzwerke geführt werden kann, so bleibt doch ganz klar - die Realität! Wie viel erfüllter gehe ich aus diesen Abenden heraus, an denen man sich im Schein der Wohnzimmerstehlampe Geschichten erzählt, über Politik diskutiert, sich gegenseitig Handfertigkeiten lehrt und gemeinsam über die ersten kläglichen Versuche lacht, einen Schal zu stricken, wie viel mehr springt für alle heraus, wenn wir gemeinsam Herbstplätzchen backen, Gitarre spielen, Lieder singen, unser Essen teilen, uns das Gefühl geben, füreinander da zu sein? Wo die Zeit nur dank guter Gespräche und eines lebendigen Zusammenseins so schnell verstreicht und den Himmel dunkel malt, da habe ich das Gefühl, nichts verpasst zu haben, sondern alles mitgenommen zu haben, was mir das Leben heute Abend bieten konnte. Berauschend ist das.