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Dienstag, 18. Februar 2020

Eier in der Pfanne

Du stehst am Fenster und erzählst mir von deiner Jugend. Ich liege ausgestreckt auf unserem nächtlichen Lager. Es ist einer unserer besseren Momente. Ich lasse vor Lachen mein Weinglas kleckern, rote Flecken landen auf meinem T-shirt.
Ich erzähl dir eine Geschichte, sagst du. Damals, als ich das erste Mal Wodka probiert habe. Die Party einer Klassenkameradin. Deine Freunde wollten nicht mittrinken, du trankst alles alleine. Du kamst heim, kurz bevor der Muezzin singen würde. Leise öffnetest du die Tür... im falschen Stock. Dein Nachbar völlig verwundert: was willst du, Junge. Enschlllgung, enschlgng, flüsterst du lachend. Trittst verschämt den Rückzug in die höhere Etage an. Leise, die Tür, leise, der erste Schritt... und du stolperst über den Perser-Teppich. Wie Jesus hat es dich hingelegt, Arme und Beine von dir gestreckt, sieht dich deine Mutter dort liegen, die sogleich aus dem Bett kommt. In dieser Nacht, habe sie dich nicht schlafen gelassen. Fünf mal, sechs mal sei sie an dein Bett gekommen, um dir die Decke vom Kopf zu ziehen und dich zu schelten. Wir lachen und lachen.
Noch eine, noch eine, bitte ich.
Du zögerst. Die Glut fällt in den Wind. Ja, da war das mit den Eiern. Betrunken seist du nach Hause gekommen und mit einer Menge Hunger. Du schlichst dich in die Küche und begannst, eine Pfanne zu... nun ja. Die zwei Eier fanden ihren Weg in die Pfanne. Nicht so die Hitze. Das Gas war an, das Feuer vergasest du. Minutenlang hättest du wütend die Pfanne geschwenkt und schließlich resigniert aufgegeben. Die Eier landeten im Müll. Dein Bruder - die Ruhe in Person, saß in einer dunklen Ecke und sah dir dabei zu. Die ganze Zeit. Und kein Ton. Das, sagst du, ist mein Bruder. Und schmeißt dich vor Lachen weg.

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