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Sonntag, 9. August 2015

Es wird brennen.

Es wird brennen, sagst du. Ich sehe einen Bürgerkrieg kommen, weißt du. Ich verstehe dich nicht, antworte ich. Doch, sieh mal, ich erkläre es dir. Was ich sehe, ist, dass ihr in diesem Land aufgehört habt, miteinander zu reden. Ich bin absolut, absolut dafür, dass wir hier alle Flüchtlinge aufnehmen, denn jeder, jeder hat ein Recht, in Sicherheit und Frieden zu leben. Verstehst du? Ja, antworte ich zögernd und mache mich auf die nächsten Worte gefasst. Willst du nun etwa auch etwas rechtes sagen, denke ich schockiert. Nein, das bist du nicht. Du fährst fort und ertappst mich in meinen Gedanken, in denen ich jedes Wort nach einer rechten Aussage abklopfe. Ich schäme mich ein bisschen, das zu tun, weil ich genau weiß, dass du das nicht bist. Du fährst fort.
Aber sieh mal, weißt du, was diese Politik hier nicht schafft? Dass sie allen Menschen eine Arbeit gibt. Das ist ein großes Problem, denn Menschen, die keine Arbeit haben, gehen vor die Hunde. Und da haben sie schon recht, die Konservativen, wenn auch sonst nicht. Aber es ist die falsche Taktik, siehst du, die, die sie anwenden. Sie machen die Ausländer verantwortlich, dabei sind es die Politiker, die ihren Job nicht machen können. Ihre Wut ist irrational, weißt du.
Ich nicke und stimme bei.
Aber weißt du, was scheiße ist? Dass man hier nichts sagen kann, ohne in eine Ecke gestellt zu werden.
Ja, das ist unser Problem, da hast du recht. Ich sehe es so: wir haben dieses Erbe. Und wir kommen nicht davon los. Deshalb denken wir in Schwarz-Weiß. Es ist schädlich für jeden Dialog. Aber wir haben Angst davor, dass uns unsere Aussagen im Mund umgedreht werden, denn solche Leute gibt es auch, sie ziehen sich Sätze aus dem Kontext, und setzen sie so zusammen, dass sie ihre eigenen Aussagen darin bestätigt sehen, weißt du, was ich meine?
Bei uns läuft einiges schief gerade.
Ja, sagst du. Und es wird brennen, irgendwann. Es brennt ja jetzt schon.

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