Translate

Donnerstag, 23. Juli 2015

Ein kleines Stück rote Pappe.

Bald ist es so weit. Die Zeit tickt. Die Formalien fordern ihren Tribut. Ich beantrage ein Visum. Dieses Mal ist dies nötig. Es wird ein längerer Aufenthalt als die anderen Male. Ich kehre zurück in mein Second Home. Dieses Mal, um zu bleiben. Um meine Zeit dort mit neuem Sinn zu füllen. Um das Fremde im Vertrauten zu suchen. Ich suche Kontakt der Informationen wegen. Das ist das eigentlich neue. Eine andere Art des Vorgehens. Ob mir das gelingt? Ich bin hoffnungsvoll.

Ich buche den Flug. Sehe beim Aus-der-Tür-Treten einem der vielen Flugzeuge am Himmel nach. Frankfurt ist eine Stadt für die, die Fernweh haben. Anders lässt sich das kaum ertragen. Was suchen wir eigentlich? Auf der anderen Seite der Welt? Was ist das genau, was wir hier nicht haben?

War das überhaupt schon mal da?

Ich verlängere meinen Reisepass. Das alte Exemplar ist abgelaufen, obwohl noch ein wenig Platz übrig wäre. Ich lasse die Seiten durch meinen Daumen blättern. Seiten voller Ein-und Ausreisestempel, die meisten von ihnen von ugandischer Hand unterzeichnet. Vom Pass schaut mich mein 18jähriges Ich schweigend an. Ich habe mich verändert, die Jahre des Studiums und die Erfahrungen von Selbständigkeit, Selbstverantwortung, Liebe und Leid haben ihre Spuren hinterlassen. Ein neuer Pass mit einem neuen Bild, einer neuen Nummer, die mich identifiziert unter Milliarden anderen. Mit ihm gehe ich nirgends verloren. Oder doch?

Was bedeutet eigentlich Staatsangehörigkeit, wenn man sich in mehreren Nationen zuhause fühlt? Wie macht man solch ein Empfinden lesbar, druckbar, ausdrückbar? Was bedeuten eigentlich Nationen und Staaten, die Grundlage dieser Kategorisierung. Sind sie doch von Menschen konstruiert worden, um Menschen, Besitz, Güter zuzuordnen. Was ist, wenn wir alle mit zwei Nationen geboren wurden, ähnlich eines Kindes, das mit zweierlei Geschlechtsmerkmalen zur Welt kam. Und die Eltern sich dafür entschieden, es umzuoperieren, sodass es sich besser zuordnen könne und nicht später unter Identitätsdiffusion und Hänseleien anderer, zuzuordnender Subjekte zu leiden hätte. Wer hat mich festgelegt auf dieses Land?

Montag, 13. Juli 2015

Sonnenlicht

Wenn ich Schmerz nicht kenne, weiß ich nicht, was Linderung bedeutet. Dieses vorsichtige Strahlen, das auf meine Lippen zurückkehrt, zögernd, denn ist es nicht zu früh, es wieder tun zu dürfen, einen Scherz zu machen? Freude zu empfinden? Ich spüre, wie die Sehnsucht nach dir weiterhin mein Herz belagert, wenn ich alleine bin. Die Zweifel an mir selbst, das Gefühl, nicht genügt zu haben. Nicht schön, nicht gut genug gewesen zu sein, versagt zu haben, nicht liebenswert zu sein. Gedanken drehen sich um die Frage nach den eigenen Fehlern, dem eigenen Äußeren, suchen nach Lösungen, Veränderung, um Bestätigung zu erhalten. Und da spüre ich, was du in mir zerstört hast, und sehe es deutlich vor mir. Und es setzt eine neue Kraft in mir frei, den Zorn. Die Wut. Sie sind schöpferisch, sie sind stark. Sie erfassen mich. Und fließen durch mich hindurch. Ich kämpfe mich frei aus meiner Angst. Und da ist es, dieses Lied, durch Zufall entdeckt, welches durch meinen Körper dringt und den Regen beiseite wischt, wie Sonnenstrahlen meine Seele zum Leuchten bringt. Unmerklich schleicht sich ein Lächeln auf mein Gesicht zurück, während ich durch den Sommerregen laufe. Ich sehe gen Himmel, spüre die kühlen Tropfen in meinem Gesicht, beginne zu lächeln und richte mich auf. Lasse das Licht in mich zurückkehren. Spüre die Energie neu aufflammen. Und dann sehe ich sie. Die Blicke der Menschen, die an mir vorbeigehen. Neugierig, interessiert. Und ich realisiere, dass es hier nicht darum geht, mir neue Kleider zu kaufen, die Frisur zu verändern oder mich stärker zu schminken. Es geht darum, das Licht in mich zurückzuholen, welches mich erfüllt und Glück empfinden lässt. Die innere Schönheit und Liebe zu mir selbst zurückzuholen, und sie strahlen zu lassen. Hier bin ich. Um einen Schmerz reicher. Um einen Segen reicher. Leid und Leben mischen sich, werden eins in mir.

Sonntag, 12. Juli 2015

Gesendet, nicht ausgesprochen.

Wie ein Messer ins Herz,
so treffen mich deine Worte.
Geschrieben, nicht gesagt,
gesendet, nicht ausgesprochen.
Du triffst mich,
überraschst mich,
verwirrst mich,
lässt mich in Starre zurück.
Ich habe es nicht kommen sehen,
habe keine Zeichen erkannt,
habe mich offengelegt für dich,
Stück für Stück
meine Blütenblätter für dich entfaltet.
Ich sehe deine ersten Worte vor mir,
dass du mich gerne näher kennenlernen würdest.
Ich spüre die Aufregung am ersten Abend,
deine Wange an meiner beim Abschied,
erinnere mich daran, wie du mich festhieltest, damit ich nicht fiele in der Bahn.
Weißt du nicht mehr?
Wie du nach mir verlangtest und mich bei dir haben wolltest,
meine Absagen schweren Herzens akzeptiertest,
mit mir über die Zukunft redetest,
wohin es mit mir gehen solltest,
wie ich mir eine Beziehung, eine Ehe vorstelle.
Weißt du nicht mehr?
Wie du plötzlich meine Hand nahmst, als wir durch meinen Stadtteil liefen.
Wie du mir deine Lederjacke um die Schultern legtest, damit ich nicht frieren möge.
Wie du mich fragtest, warum ich dich nicht mal zu uns einladen wolle.
Wie du mir dein Lieblingslied vorspieltest, deine Hand an meine Hüfte legtest und lächeltest.
Wie du betetest und dich danach lächelnd zu mir umdrehtest.
Wie du mich zum ersten Mal an dich herangezogen und geküsst hast.
Weißt du nicht mehr?
Wie wir in die Bibliothek gingen, und du mich von hinten umarmtest,
während wir alte Bücherrücken betrachteten.
Wie wir Pläne schmiedeten und die Fantasie schweifen ließen.
Wie hätte ich es da erkennen können.
Dass es nicht gefunkt hat bei dir?
Wie sollte ich da verstehen.
Was geschehen ist zwischen uns?
Wie sollte ich deine Entschuldigung annehmen.
Wenn ich die Gründe nicht verstehen kann?
Wo habe ich mich geirrt?
Sag mir, dass du lügst, denn ich verliere den Glauben an mich.
Sag mir, dass es einen Grund gab.
Denn weißt du, es gibt eine Trauer,
die erfüllt nur die Liebenden.
Die habe ich lange nicht mehr empfunden,
aber du hast sie in mir geweckt.
Denn weißt du, es gibt ein Gefühl,
das gehört nur den Liebenden.
Ich habe es lange nicht wahrhaben wollen,
aber nun zeichnet es sich klar vor mir ab.
Denn weißt du, es gibt den Moment des Erkennens,
den erleben nur die Liebenden.
Und dann ist er da und erhebt sich aus dem Schmerz,
den du mir zugefügt hast.
Ich sehe diese kleine SMS, die in 100en Zeichen alles erklären soll.
Und verstehe doch nichts davon.