Ich buche den Flug. Sehe beim
Aus-der-Tür-Treten einem der vielen Flugzeuge am Himmel nach.
Frankfurt ist eine Stadt für die, die Fernweh haben. Anders lässt
sich das kaum ertragen. Was suchen wir eigentlich? Auf der anderen
Seite der Welt? Was ist das genau, was wir hier nicht haben?
War das überhaupt schon mal da?
Ich verlängere meinen Reisepass. Das
alte Exemplar ist abgelaufen, obwohl noch ein wenig Platz übrig
wäre. Ich lasse die Seiten durch meinen Daumen blättern. Seiten
voller Ein-und Ausreisestempel, die meisten von ihnen von ugandischer
Hand unterzeichnet. Vom Pass schaut mich mein 18jähriges Ich
schweigend an. Ich habe mich verändert, die Jahre des Studiums und
die Erfahrungen von Selbständigkeit, Selbstverantwortung, Liebe und
Leid haben ihre Spuren hinterlassen. Ein neuer Pass mit einem neuen
Bild, einer neuen Nummer, die mich identifiziert unter Milliarden
anderen. Mit ihm gehe ich nirgends verloren. Oder doch?
Was bedeutet eigentlich
Staatsangehörigkeit, wenn man sich in mehreren Nationen zuhause
fühlt? Wie macht man solch ein Empfinden lesbar, druckbar,
ausdrückbar? Was bedeuten eigentlich Nationen und Staaten, die
Grundlage dieser Kategorisierung. Sind sie doch von Menschen
konstruiert worden, um Menschen, Besitz, Güter zuzuordnen. Was ist,
wenn wir alle mit zwei Nationen geboren wurden, ähnlich eines
Kindes, das mit zweierlei Geschlechtsmerkmalen zur Welt kam. Und die
Eltern sich dafür entschieden, es umzuoperieren, sodass es sich
besser zuordnen könne und nicht später unter Identitätsdiffusion
und Hänseleien anderer, zuzuordnender Subjekte zu leiden hätte. Wer
hat mich festgelegt auf dieses Land?