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Donnerstag, 16. Oktober 2014
Sich nicht ablenken lassen...
...von dem, was WESENTLICH ist! Das ist gar nicht so einfach. Überall verfolgt mich die Werbung, im Fernsehen, an Litfaßsäulen, auf großen Leinwänden. Alle wollen mir zeigen, wie frau sich am schönsten anzieht. Wie ich mich benehmen soll, damit die Männer auf mich stehen oder mir hinterher sehen. Und sie lenkt mich ab davon, was wirklich wichtig ist.
In der U-Bahnstation gibt es riesige Leinwände, auf denen ununterbrochen Werbung läuft oder Nachrichten komprimiert wiedergegeben werden. Wenn ich mich umdrehe, sehe ich in leere Augen, fixiert von diesem ständigen Wechsel der Bildung.
Ihr giert doch nach Unterhaltung. Nach Ablenkung. Warten haltet ihr nicht aus. Ihr seid so schnell gelangweilt. Atmet doch mal durch. Besinnt euch. Schaut euch mal um, wer da noch so steht. Von diesen leeren Blicken wird mir ganz schlecht.
Wenn ich in der Bahn sitze, lächele ich manchmal mein Gegenüber an. Es ist schön, wenn dann ein Lächeln zurückkommt, oder wenn der andere zumindest den Blick hält. Dann ist noch nicht alles verloren. Andere senken den Kopf, und ich bin traurig. Tut dir dieser Blick weh? Ein Kontakt mit einer Fremden, ohne Forderungen?
Deutschland ist ein so soziales Land, so offen für alle! Da klingt doch pure Ironie raus. Wir haben das Zusammensein verlernt. "Wir können auch Freunde sein", eine Überschrift über einen gemeinsamen Kochabend zwischen "den Deutschen" und "Flüchtlingen". Ätzend! Natürlich können wir das. Müssen wir das extra noch betonen? Lebt es einfach!
Ich reiße mich immer wieder zusammen und versuche, die Hoffnung nicht zu verlieren. Ich will nicht jemand sein, der die ganze Zeit nur am Meckern ist. Wir müssen auch was ändern. Das kann jeder auf eigene Art. Den Kopf heben, Augenkontakt suchen, lächeln, oder einfach den Blick halten.
Wenn im nächsten Augenblick ein Unglück passieren sollte, bin ich wenigstens nicht mehr allein in der fremden Masse.
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