Translate
Sonntag, 28. September 2014
Über das Ausreißen.
Es braucht Mut, alte Gefilde zu verlassen und irgendwo neu anzufangen. Das erste Mal ist mir das nach der Schule gelungen, da war aber auch eine ordentliche Portion Naivität und die Lust, alles einzureißen und neu aufzubauen, mit dabei. Ohne viel nachzudenken habe ich den Sprung ins kalte Wasser gewagt und bin für ein Jahr in ein völlig fremdes Umfeld auf einem fremden Kontinent gegangen. Bereut habe ich es bisher nie, auch wenn es immer Dinge gibt, die man im Nachhinein wahrscheinlich anders gemacht oder einfach gelassen hätte. Aber was kann ich daran noch ändern? Ich habe gelebt.
Auch jetzt lebe ich neu auf, in einer neuen Umgebung. Verrückt, dieses Gefühl, das ich fast vergessen hatte: sich nicht auszukennen, gestrandet in einer Stadt mit beinahe nur fremden Menschen. Das Gefühl ist ein anderes, als es die vergangenen vier Jahre in Mainz war. Ich finde es aufregend und spannend, aber es beängstigt auch zuweilen ein bisschen. Dennoch bereue ich den Schritt bisher nicht. Neu anzufangen irgendwo, birgt unheimliche Chancen, sich selbst ein Stück näher zu kommen. Welche Stadt liegt mir mehr? Mit wem verstehe ich mich gut? Welchen neuen Eindruck hinterlasse ich bei anderen, die mich bislang nicht kannten? Es fühlt sich an wie eine Feuerprobe, es ist aber auf eine gute Art und Weise wichtig. Ein neues Leben beginnt, ohne dass ich mein altes abschütteln könnte oder möchte. Aber ich bin doch gespannt, was da noch kommt.
Dienstag, 16. September 2014
Ein kurzer Satz und Gänsehaut.
Wir laufen die Straße entlang. Es nieselt ein bisschen, Leute rennen blind an uns vorbei. Wir reden, ich weiß nicht mehr worüber. Da dreht er seinen Kopf zu mir und sagt: "You know, we have a..." Er sucht nach Worten. "A saying?", frage ich. "Yes... that, ..." Er stockt, sucht nach Worten, um vom Arabischen ins Englische zu übertragen, was gar nicht so einfach ist.
"... that somebody who washes his bloody hands with blood will never be able to clean them." Er sieht mich an, will wissen, ob ich ihn verstanden habe. Ich nicke nur.
Er setzt noch einmal an. "Somebody who has blood on his hands, can use water to wash, and they will be clean. But if he uses blood, he will never be able to..." Ich nicke, verstehe. Und frage mich einmal mehr, welche Bilder aus seiner Heimat, die ihm zum Exil geworden ist, damit verbindet.
"... that somebody who washes his bloody hands with blood will never be able to clean them." Er sieht mich an, will wissen, ob ich ihn verstanden habe. Ich nicke nur.
Er setzt noch einmal an. "Somebody who has blood on his hands, can use water to wash, and they will be clean. But if he uses blood, he will never be able to..." Ich nicke, verstehe. Und frage mich einmal mehr, welche Bilder aus seiner Heimat, die ihm zum Exil geworden ist, damit verbindet.
Abonnieren
Kommentare (Atom)