Heute Nacht habe ich geträumt. Ich habe geträumt, dass ich in einem Friseursalon sitze und darauf warte, mir eine Frisur schneiden zu lassen. Eine besondere Frisur soll es sein, denn plötzlich steht da ein kleiner Junge neben mir, ein Sikh, mit einem Kopftuch, so wie es die Sikh tragen. Ich soll ihm Mut machen, sodass er sich traut, sich ebenfalls die Haare schneiden zu lassen. Ich bin verwirrt und fürchte mich mit einem Mal vor dem, was da auf mich zukommt.
Da wandert mein Blick zu meinen Füßen. Sie sind nackt, und da... da kommen grüne Ranken voller leuchtend grüner Blätter aus meinen Fußsohlen herausgewachsen. Ich bin ein bisschen erschrocken, aber zugleich ist mir, als sähe ich das nicht zum ersten Mal. Ich zeige sie der Friseurin. Sie lässt mich auf eine Liege niedersitzen. Danach nimmt sie eine Schere und beginnt damit, die Ranken abzuschneiden. Die Schere kratzt an meiner Haut entlang. Sie ist völlig unbeeindruckt. Sobald sie fertig ist, lässt sie mich alleine dort sitzen. Ich schaue meine Füße an. Dort, wo die Ranken herausgekommen waren, sind meine Füße aufgerissen und blutig. Haut lässt sich lösen. Mich schaudert. Meine Füße sind offene Wunden. Mir schießt durch den Kopf: die Blätter hatten meine Füße geschützt, solange sie da waren. Sie haben die Haut auf eine Weise vor dem Schmutz geschützt und davor, aufzureißen. Ich staune über den Selbstschutz meines Körpers: wie konnte er so klug sein, sich auf diese Weise selbst zu schützen? Nun habe ich diesen Schutz entfernt und riskiere eine Infektion.
Ich wache mit diesem Gedanken auf.Ich beginne direkt damit, nach Traumdeutungsseiten zu suchen und finde: für manche ist der Traum, dass Pflanzen aus einem Menschen herauswachsen, ein Zeichen für dessen bevorstehenden Tod. Ich bekomme Angst, suche weiter. Ich finde nur: Füße, und Pflanzen. Woher kommt dieses Bild?
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Dienstag, 1. Oktober 2019
Samstag, 17. August 2019
Eure Stimme sein
Ich möchte eure Stimme sein. Eure Geschichten aufschreiben, eure Gesichter aus dem Anonymen der Großstadt heraus hervorheben. Ich fühle mich berufen, das zu tun.
Ich beginne mit deiner Geschichte. Ein Mädchen, 14* Jahre war sie. Jeden Tag kam sie zu euch in den Hof, um deiner Mutter mit der Hausarbeit zu helfen. Ihr Vater wollte sie mit einem 40-jährigen T. verheiraten. Das wolltest du nicht. Sie war doch erst 14, flüsterst du. Erst 14! Ob ich mir das vorstellen kann. Weggebracht hast du sie, und musstest selbst fliehen. Du hast alles verlassen: Heimat, Eltern, deine jüngeren Geschwister. Du bist in der Fremde und kämpfst. Die Krankheit belastet dich. Du hast keine Kraft, du siehst zu Boden, deine Hände krampfen sich zusammen, als du im Türrahmen lehnst. Es soll dir nicht gut gehen, wenn es den anderen nicht gut geht. Zum Arzt willst du nicht. Alles dreht sich nur um deinen abgelehnten Aufenthaltsstatus.
Heute lebt sie, und es geht ihr gut. Sie hat einen guten Mann und einen guten Beruf angenommen. Sie lebt. Sie lebt. Sie lebt und es geht ihr gut.
Sie haben meinen Vater getötet, gestern Nacht. Du sagst es ganz ruhig, und es überfordert mich, wie du so ruhig sein kannst. Immer hätten sie ihn nach dir gefragt. Irgendwann haben sie nicht mehr gewartet.
Du hast das richtige getan, sage ich. Du hast das richtige getan. Und dein Vater auch.Und deine Mutter auch. Sie waren mit dir. Ich wiederhole es immer wieder, weil ich nicht will, dass du dir die Schuld gibst an seinem Tod. Er mag für dich gestorben sein. Aber ihr habt gemeinsam das Leben dieses Mädchens gerettet. Du hast sie gerettet. Und so viel verloren. Du hast das richtige getan. Du hast das richtige getan. Du hast das richtige getan. Mehr fällt mir nicht ein. Außer, dass es mir so unendlich leid tut. Ich trage das mit dir, ich lasse dich nicht allein.
Sie werden mich auch töten, sagst du.Wenn ich zurück muss, werden sie mich auch töten. Was soll ich tun? Deine Augen schließen sich, deine Hände krampfen. Wieder.
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