Heute war es wieder so weit. Der Film. Ich hatte nen Film, in dem sich meine ganze Anspannung und Beherrschung und Kontrolle entlud. Ich lies Emotionen frei, Frust, Hass, Unverständnis. Ich lehnte mich vor versammeltem Team gegen die Leitung auf, und dazu hatte ich nicht das Recht. Ich würde laut, weil ich glaubte, mir anders kein Gehör verschaffen zu können. Ich war so gefangen in meiner Absicht, meinen Willen und mein Unbehagen preiszugeben, dass ich nicht mehr alleine aus meinem Film herauskam. Ich schämte mich später für diesen kontrollverlust vor dem ganzen Team. Viele klopften mir auf die Schulter und umarmten mich, sprachen mir gut zu. Wenn ich jetzt darüber spreche, kommen mir schon wieder die Tränen. Arbeite an deinem Gefühl von Nähe und Distanz, sagte meine Chefin später zu mir. Ich schluckte schwer an meiner Wut, und realisierte erschrocken, dass ich versucht hatte Chef zu spielen, wo es Aufgabe der Leitung gewesen war, Entscheidungen abzuwägen, und nicht meine.
Ich glazbe, dass mir Kontrolle über eine Situation und Klarheit von regeln in schwarz und weiß wichtig sind, weil ich in ihnen halt suche. Dass es Zwischentöne gibt, sehe ich als subjektiv verständlich, aber als anfällig für Missbrauch und als Zeichen von Unsicherheit. Ich will immerzu Klarheit, aber Klarheit ist im Umgang mit Menschen nicht möglich. Beziehungsaufbau widerspricht diesem von der Sache her, genauso wie das vertrauen dem widerspricht. Ich war schockiert, also die Durchsetzung von regeln mit Maschinen in Zusammenhang gebracht wurde. Bin ich hier gerade mit einer Maschine verglichen worden? Denke ich vielleicht selbst, dass ich funktionieren muss wie eine Maschine? Eine, die ihren Zweck erfüllt und brav ihre Arbeit tut, die nicht aufhört, ehe nicht alles unter Dach und Fach ist? Darf ich hier mehr Menschlichkeit zeigen und insbesondere sagen, ja, es ist mir zu viel, ich kann mit diesem oder jenem Menschen nicht? Ich bin dieser Aufgabe nicht gewachsen? Wie oft sage ich das eigentlich, und welche Rolle spielt mein Schuldbewusstsein dabei? Wie oft hindere ich mich selbst daran, auf mein Bauchgefühl zu hören und ihm zu vertrauen und Menschsein zu zeigen? Wie viel Mensch, wie viel professioneller muss ich sein?