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Freitag, 2. September 2016
Endstation Kosovo
Sie sitzen im Hof, um eines der Spielgeräte herum. Vor ihnen liegen große Zeichenblockblätter. Die größte malt einen Schmetterling in leuchtenden Farben, er bedeckt das ganze Blatt. Ihre kleinen Geschwister versuchen, es ihr nachzutun. "Guck mal, was macht er denn da?", fragt sie mich, und zeigt auf ihren Bruder. Er hat große blaue Punkte auf das Spielgerät gemalt. "Ich war hier..." Geht es mir durch den Kopf, während ich seiner großen Schwester ein Blatt stehle und es ihm unter die kleine Hand lege. "Schön sieht das aus", sage ich geistesabwesend, während ich in Gedanken schon beim nächsten Schritt bin. Die nächsten Worte kommen langsam und in einfacher Sprache. Der Flug geht... Diese Woche... Tickets abholen... Sozialamt... "Was, nicht in drei Wochen?" Wie das Sozialamt zunächst als Frist angegeben hatte. Frist bleibt Frist, davor ist alles möglich, verstehe ich..."Nee. Diese Woche." Ihre Augen werden kurz groß vor Erstaunen. Sie bleibt ernst. Ihre Geschwister reagieren kaum. Ob sie das ihrem Papa genauso sagen wird? Und der Mama? Ja, wird sie.
Ich verabschiede mich. Wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja wieder. Ein wenig spöttisch fragt sie, wieso ich das denn gesagt habe. Vielleicht bekomme ihr Vater ein Arbeitsvisum, das könne man ja nicht wissen. Ich schlucke, weil ich merke, dass sie mir nicht glaubt und ich mir selbst auch nicht.
Auf dem Weg zurück ins Haus kommt mir die Mutter entgegen. Sie ist zurück aus der Stadt. Ich hole nochmal Luft, um die Worte zu wiederholen. Sie ruft ihre Größte zu sich, zum Übersetzen. Sie hat ein ruhiges schönes Lächeln, ein junges Gesucht, blonde halblange Haare, trägt Lippenstift in Pink. Ich erkläre ihr erneut alles, das Mädchen hilft mit. Ich umarme sie, sie küsst mich auf die Wangen und wir halten uns einen Moment lang fest. Als wir voneinander zurückweichen, hält sie meine Hände. Ich drücke sie. Es wird alles gut, flüstere ich. Es wird alles gut. Es wird alles gut. Ich denke an ihren großen lieben Mann, der Depressionen hat und sich so leicht aufregt. Kurz schießt mir durch den Kopf, ob er sich nun etwas antun könnte. 6 Tage, um einen Haushalt aufzulösen, in dem drei Jahre Lebenszeit stecken. 6 Tage, um sich von Freunden und Klassenkameraden zu verabschieden. Ich frage mich, ob sie denselben Gedanken hat. Ich sehe Tränen in ihren Augen. Sie lächelt immer noch, bedankt sich. Ich lächele zurück.
Ich weiß nicht mehr, was danach passiert ist. Ich finde mich im Büro wieder und fluche. Die Gesetze haben ein weiteres Mal das Leben einer Familie in Deutschland beendet.
Ich verabschiede mich. Wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja wieder. Ein wenig spöttisch fragt sie, wieso ich das denn gesagt habe. Vielleicht bekomme ihr Vater ein Arbeitsvisum, das könne man ja nicht wissen. Ich schlucke, weil ich merke, dass sie mir nicht glaubt und ich mir selbst auch nicht.
Auf dem Weg zurück ins Haus kommt mir die Mutter entgegen. Sie ist zurück aus der Stadt. Ich hole nochmal Luft, um die Worte zu wiederholen. Sie ruft ihre Größte zu sich, zum Übersetzen. Sie hat ein ruhiges schönes Lächeln, ein junges Gesucht, blonde halblange Haare, trägt Lippenstift in Pink. Ich erkläre ihr erneut alles, das Mädchen hilft mit. Ich umarme sie, sie küsst mich auf die Wangen und wir halten uns einen Moment lang fest. Als wir voneinander zurückweichen, hält sie meine Hände. Ich drücke sie. Es wird alles gut, flüstere ich. Es wird alles gut. Es wird alles gut. Ich denke an ihren großen lieben Mann, der Depressionen hat und sich so leicht aufregt. Kurz schießt mir durch den Kopf, ob er sich nun etwas antun könnte. 6 Tage, um einen Haushalt aufzulösen, in dem drei Jahre Lebenszeit stecken. 6 Tage, um sich von Freunden und Klassenkameraden zu verabschieden. Ich frage mich, ob sie denselben Gedanken hat. Ich sehe Tränen in ihren Augen. Sie lächelt immer noch, bedankt sich. Ich lächele zurück.
Ich weiß nicht mehr, was danach passiert ist. Ich finde mich im Büro wieder und fluche. Die Gesetze haben ein weiteres Mal das Leben einer Familie in Deutschland beendet.
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