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Sonntag, 4. Januar 2015
Schneetreiben.
Wie kommt es, dass wir Menschen ständig auf der Suche sind? Wie kann es sein, dass es uns so schwer fällt, uns selbst zu finden und anzunehmen? Wir sind schon längst da und jeden Tag ein bisschen mehr. Wir verbauen uns das Wissen, was wir gerne tun und die Lust am Leben durch die modernen Kommunikationsmittel. Sie lassen uns ermüden, trimmen uns darauf, immer nur nach Unterhaltung zu gieren. Wo ist der nächste Gag, das nächste Bild? Ich will nicht lange Texte lesen, ich will genießen. In der Kürze liegt die Würze, das lernt man spätestens im Seminar zu wirksamer Öffentlichkeitsarbeit. Wir lassen uns mitreißen von einem Sog aus Spaß und Leichtlebigkeit, aber wird es uns dadurch leichter ums Herz? Ich lasse mich hineinziehen in den Sog und bin doch innerlich leer. Ein Lachen stiehlt sich nur selten von meinen Lippen, wenn ich einen weiteren Spot betrachte, der mich unterhalten soll. Ich giere vielmehr nach dem nächsten. Es ist pure Ablenkung von Pflichten, die ich eigentlich tun sollte. Die Stille ertrage ich nicht, ich brauche Musik oder Stimmen. Wie weit ist es schon gekommen, dass ich beinahe die Wirkung des Schnees vergesse, der lautlos auf die Erde fällt, mich meinen Körper in der Kälte neu spüren lässt, der sich vor unbehaglicher Kälte verkrampft und zusammenzieht. Wie könnte ich vergessen, wie der Schnee auf einzigartige Art und Weise die Geräusche meiner Umgebung abzudämpfen scheint und alles still werden lässt. Das denke ich mir, als ich auf dem beinahe leeren Bahngleis stehe und auf dich warte. Während Schneeflocken sich daumengroß auf meine Haare und in das Kunstfell meiner Kapuze setzen und ich den tanzenden kleinen Flecken in der Dunkelheit zusehe. Ich atme durch, denke laut diese Worte in meinem Kopf, befreie mich von der Wirklichkeit und tauche zugleich in sie ein. In diesem Moment spüre ich die Lust zu leben. Die Welt bleibt still, die Zeit tickt beinahe ungesehen weiter, doch ich achte nicht auf sie, sehe nicht mehr ungeduldig jede Minute auf die Uhr. Es überrascht mich fast, wie schnell plötzlich der rote Zug einfährt, deine Silhouette in einer raschen Bewegung an mir vorbeizieht, ehe ich dich aussteigen und mir entgegenlaufen sehe. Ich bin zuhause.
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